Mit der richtigen Vorbereitung, ausreichend Feuchtigkeit und etwas Geduld wird aus einer kahlen oder vertrockneten Stelle wieder eine dichte Rasenfläche.
Vielleicht kennen Sie das: Der Swimmingpool wird abgebaut, eine Matte oder die Gartenmöbel werden weggeräumt – und darunter kommt statt eines schönen Rasens eine gelbe, braune oder bereits kahle Fläche zum Vorschein.
Aus meiner Erfahrung weiß ich: Wenn eine Rasenfläche längere Zeit abgedeckt oder stark belastet war, braucht sie oft sehr lange, um sich aus eigener Kraft wieder zu erholen. Ist die Grasnarbe bereits abgestorben und sind kaum noch lebende Gräser vorhanden, würde ich nicht lange warten. Dann ist eine Nachsaat meistens der bessere und schnellere Weg.
Entscheidend ist allerdings nicht nur, Rasensamen auf die kahle oder trockene Stelle zu streuen. Damit daraus wieder eine belastbare Rasenfläche wird, müssen einige Dinge zusammenpassen.
Ich zeige Ihnen Schritt für Schritt, wie ich dabei vorgehe.
1. Zuerst die Fläche gründlich vorbereiten
Entfernen Sie zunächst abgestorbene Gräser, Rasenfilz und loses Pflanzenmaterial. Bei kleineren Stellen reicht dafür normalerweise eine kräftige Harke oder ein Rechen.
Die Bodenoberfläche sollte anschließend leicht aufgeraut und gelockert sein. Sie müssen die Fläche dabei nicht tief umgraben. Es geht lediglich darum, eine offene Oberfläche zu schaffen, auf der der Rasensamen später guten Kontakt zum Boden bekommt.
Mein Greenkeeper-Tipp:
Streuen Sie den Samen nicht einfach auf eine geschlossene Schicht aus altem, vertrocknetem Gras. Dort kann ein großer Teil der Saat den Boden nicht erreichen und entsprechend schlecht keimen.
2. Das richtige Saatgut gleichmäßig ausbringen
Verteilen Sie die Rasensaat möglichst gleichmäßig über die vorbereitete Fläche. Am besten verwenden Sie dabei dieselbe oder eine möglichst ähnliche Saatgutmischung wie für den bestehenden Rasen. So entsteht ein homogener Rasenaspekt. Wird eine deutlich andere Mischung verwendet, können sich Unterschiede in Farbe, Blattstruktur und Wuchs zeigen, sodass später sichtbare Farbflecken entstehen.
Bei kleinen Schadstellen funktioniert das gut von Hand. Größere Flächen lassen sich mit einem geeigneten Streugerät gleichmäßiger bearbeiten.
Halten Sie sich bei der Aussaatmenge an die Empfehlung für das verwendete Saatgut. Mehr Saatgut bedeutet nicht automatisch mehr Rasen. Wird zu dicht gesät, konkurrieren die jungen Pflanzen später unnötig um Licht, Wasser und Nährstoffe.
3. Saatgut leicht einarbeiten und andrücken
Harken Sie das Saatgut anschließend ganz leicht in die oberste Bodenschicht ein. Rasensamen sollten dabei nicht tief vergraben werden. Ein leichtes Einarbeiten in die Oberfläche reicht aus.
Danach können Sie die Fläche vorsichtig antreten oder mit einer kleinen Rasenwalze andrücken. So liegt das Saatgut besser am Boden und wird bei der anschließenden Bewässerung weniger leicht verdrängt.
Eine dünne Schicht geeigneter Rasenerde kann zusätzlich helfen, das Saatgut zu schützen und die Feuchtigkeit an der Oberfläche länger zu halten.
4. Jetzt kommt der wichtigste Punkt: feucht halten
Wenn Sie sich von diesem Artikel nur einen Punkt merken möchten, dann diesen:
Rasensamen darf während der Keimphase nicht austrocknen.
Nach der Aussaat wird die Fläche vorsichtig angefeuchtet. Verwenden Sie dabei möglichst einen feinen Wasserstrahl oder Rasensprenger, damit die Samen nicht weggespült werden.
Danach muss die oberste Bodenschicht gleichmäßig feucht bleiben. Bei trockenem und warmem Wetter kann es deshalb notwendig sein, mehrmals am Tag kurz zu bewässern.
In dieser Phase geht es noch nicht darum, den Boden jedes Mal tief zu durchfeuchten. Entscheidend ist, dass der Bereich rund um das Saatgut nicht austrocknet.
Mein Greenkeeper-Tipp:
Einmal austrocknen und anschließend besonders viel gießen funktioniert bei keimendem Rasensamen nicht. Hat die Keimung bereits begonnen und der junge Keimling vertrocknet, lässt sich das am nächsten Tag nicht durch mehr Wasser ausgleichen.
5. Wenn die ersten Halme sichtbar sind: düngen
Der Rasensamen bringt zunächst alles mit, was er für den Beginn der Keimung benötigt. Dünger lässt einen Samen also nicht schneller keimen.
Deshalb würde ich mit der Düngung warten, bis die ersten jungen Grashalme sichtbar sind und sich die Pflanzen weiterentwickeln.
Jetzt beginnen die jungen Gräser, Wurzeln und neue Blattmasse aufzubauen. Dafür benötigen sie zunehmend Nährstoffe.
Für diese Phase eignet sich bei Animatio der Stärkungsdünger. Er unterstützt die Entwicklung der jungen Rasenpflanzen und eignet sich deshalb besonders gut für neu angelegte und nachgesäte Flächen.
Die Reihenfolge ist also einfach: Erst die Keimung durch ausreichende Feuchtigkeit sichern – danach die jungen Gräser mit Nährstoffen unterstützen.
6. Geben Sie der Nachsaat Zeit
Nicht jedes Rasengras keimt gleich schnell. Je nach Grasart, Temperatur und Bodenverhältnissen kann es deshalb einige Zeit dauern, bis die Fläche gleichmäßig grün wird.
Werden verschiedene Rasengräser in einer Mischung verwendet, können die ersten Halme bereits sichtbar sein, während andere Samen noch Zeit benötigen.
Vermeiden Sie während dieser Phase möglichst unnötiges Betreten der nachgesäten Stellen. Die jungen Gräser besitzen zunächst nur ein schwaches Wurzelsystem und können leicht beschädigt oder aus dem Boden gezogen werden.
Sobald die Gräser kräftiger geworden sind und ihre Wurzeln tiefer in den Boden wachsen, können Sie die Bewässerungsabstände nach und nach vergrößern.
7. Der erste Schnitt
Wenn die jungen Gräser ungefähr 8 bis 10 Zentimeter hoch sind, kann der erste Schnitt erfolgen.
Mähen Sie dabei noch nicht zu tief. Für einen normalen Gebrauchsrasen sind zunächst etwa 4 bis 5 Zentimeter Schnitthöhe sinnvoll.
Ganz wichtig ist ein scharfes Mähmesser. Ein stumpfes Messer kann die noch jungen und schwach verwurzelten Pflanzen eher herausziehen als sauber abschneiden.
Danach hilft regelmäßiges Mähen dabei, die Bestockung der Gräser anzuregen und nach und nach eine dichtere Rasennarbe aufzubauen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Nachsaat?
Rasensamen benötigen für eine gute Entwicklung ausreichend Wärme und Feuchtigkeit. Besonders günstige Bedingungen finden wir deshalb häufig im Frühjahr sowie im Spätsommer und frühen Herbst.
Gerade der September kann für eine Nachsaat sehr gut geeignet sein: Der Boden ist vom Sommer noch warm, gleichzeitig lässt die große Hitze meist nach und die Gefahr des schnellen Austrocknens wird geringer.
Auch im Frühjahr ist eine Nachsaat gut möglich, sobald sich der Boden ausreichend erwärmt hat.
Bei großer Sommerhitze und längeren Trockenperioden würde ich größere Nachsaaten dagegen nur durchführen, wenn eine zuverlässige Bewässerung gewährleistet ist.
Die häufigsten Fehler bei einer Nachsaat
- Abgestorbenes Gras und Rasenfilz werden vor der Aussaat nicht entfernt.
- Das Saatgut wird zu tief in den Boden eingearbeitet.
- Die Fläche trocknet während der Keimphase aus.
- Es wird zu viel Saatgut ausgebracht.
- Die jungen Gräser werden zu früh betreten oder stark belastet.
- Der erste Schnitt erfolgt zu früh, zu tief oder mit einem stumpfen Mähmesser.
- Man erwartet bereits nach wenigen Tagen wieder eine vollständig geschlossene Rasenfläche.
Eine Nachsaat braucht etwas Geduld. Wenn Sie die Fläche richtig vorbereiten, das Saatgut gleichmäßig ausbringen und in der entscheidenden Keimphase zuverlässig mit Wasser versorgen, schaffen Sie sehr gute Voraussetzungen dafür, dass sich die Lücken wieder schließen.
Das Wichtigste in Kürze
- Abgestorbene Gräser und Rasenfilz entfernen.
- Bodenoberfläche leicht aufrauen und lockern.
- Rasensaat gleichmäßig in der empfohlenen Menge ausbringen.
- Saatgut leicht einarbeiten und vorsichtig andrücken.
- Während der Keimphase die Oberfläche gleichmäßig feucht halten.
- Erst düngen, wenn die ersten jungen Grashalme sichtbar sind.
- Nachgesäte Flächen zunächst möglichst wenig betreten.
- Bei etwa 8 bis 10 cm Wuchshöhe erstmals vorsichtig mähen.



